670px-Vaccinate-Chickens-Step-1-Version-2Bringt nix!“, „Brauch ich nicht!“viele Rassegeflügelzüchter sind eben dieser Meinung, wenn es um das Impfen ihrer Tiere geht.

Jeder entscheidet natürlich für sich, solange es nicht um gesetzlich vorgeschriebene Impfungen geht – i.d.R. zumindest die Impfung gegen die Newcastle Disease, die über das Trinkwasser durchgeführt wird. Hier ist keine Ausnahme zulässig, muss doch nicht zuletzt bei der Einlieferung der Tiere auf Ausstellungen ein lückenloser tierärztlicher Impfnachweis erbracht werden, der längstens drei Monate zurückliegt. Selbst wenn nicht ausgestellt wird, ist es sträflich, wenn diese Impfung vernachlässigt wird. Sträflich und teuer, wenn es zu einem Ausbruch der Krankheit kommt, die zwangsläufig eine Keulung ausnahmslos aller Geflügelbestände in einem weiten Sperrbezirk nach sich zieht. Halter, die ihre Tiere, und seien sie nur wenige zum Eierlegen, nicht geimpft haben, werden zur Rechenschaft gezogen. Strafen in Form von Geldbußen sind dabei empfindlich.

Die Entscheidung über Impfung gegen eine Vielzahl anderer Krankheiten, ist dagegen auf freiwilliger Basis. Spezialisierte Geflügeltierärzte haben für die Wirtschaftsgeflügelhalter einen detaillierten Impfplan aufgestellt. In diesem Wirtschaftszweig wird zwischen Brüterei, wo mehrmals in der Woche Zehntausende Hybridküken der Mast- oder Legelinien schlüpfen, und Mästerei bzw. Legebetrieb ein umfassender Impfzyklus eingehalten. Dieser Impfplan kann auch für Hobby- und Rassegeflügelzüchter eine Richtschnur darstellen. Doch stellt sich zwangsläufig die Frage, ob wirklich die wenigen eigenen Rassetiere gegen alles mögliche geimpft werden sollten. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, da die erhältlichen Impfdosen, wenn sie denn nicht direkt vom Tierarzt verimpft werden müssen, nur für mindestens 1000 Tiere abgegeben werden und mit ca. 20€ durchaus ins Geld gehen.

Der Rat aus einer der ausgewiesensten und bundesweit gefragten Fachpraxen für Geflügelkrankheiten in Ankum bei Osnabrück ist dabei eindeutig: Sobald eine Krankheit im eigenen Bestand aufgetreten ist, sollte gegen diese vorbeugend geimpft werden und diese Impfung dann auch in Folgejahren nicht wieder aufgegeben werden.

„Gut und schön, aber wenn etwas passiert, hol ich mir ein Medikament beim örtlichen Tierarzt“ – leider trügt diese Vorstellung. Allzu oft sind Viren im Spiel, gegen die beispielsweise gern verschriebene Antibiotika nicht helfen. Der Krankheitsausbruch ist somit das Todesurteil für einen Großteil des Bestandes, wenn nicht für alle Tiere. So zum Beispiel im Falle der Marek’schen Geflügellähme, die bei Ausbruch nicht behandelbar ist und tödlich verläuft, dabei perfide schleichend, im jungen Kükenalter und bei Eintritt der Geschlechtsreife im Alter von ca. 20 Wochen. Dem Verfasser sind Fälle im Züchter-Kollegenkreis bekannt, bei denen über Tage und Wochen hinweg jeden Tag tote Tiere im Stall lagen oder nach mehrfachem Selektieren die wertvollen Ausstellungskandidaten im Junghennen und – hähnealter eingingen. Da waren sie längst beringt, gehegt unf gepflegt und schon fast ein halbes Jahr teuer gefüttert und die Ausstellungssaison musste ausfallen. Ein Medikament, quasi nachträglich, gibt es nicht. Alleinige Hilfe bringt die vorbeugende Impfung: im Falle von Marek durch den Tierarzt per Injektion in den Oberschenkelmuskel. Dabei sollten die Küken nicht älter als wenige Tage sein und dürfen auf keinen Fall mit Stallluft, Einstreu, Transportbehältern o.ä. in Berührung gekommen sein, die Federstaub von Alttieren tragen, über den eine tückische Ansteckung erfolgt.

Auch bei vielen anderen Krankheiten sind die aufgetretenen Krankheitszeichen laut Tierarzt nur „auf die tatsächliche Krankheit aufgesetzte Begleitsymptome“. So mögen schnupfenähnliche Symptome z.B. eine Infektiöse Bronchitis quasi verdecken, die man mit Antibiotika im Höchstfall mildern aber nicht heilen kann. Die Tiere bleiben latent krank. Die stark verminderte Legeleistung ist damit ebenso vorprogrammiert wie die schlechte Befruchtungsrate des kranken Zuchthahns. Da kann man noch so sehr den schlechten Schlupf auf kalte Winde im Auslauf schieben. Das Übel liegt leider ganz woanders.

Sollten demnach Krankheiten wiederholt im Bestand auftreten, erfahrungsgemäß neben Marek vor allem Kokzidiose, sollte neben einer optimierten Stallhygiene und Haltung der tierärztliche Rat zu einer Impfung eingeholt werden. Glücklicherweise kann diese oft ohne großen Aufwand über das saubere Trinkwasser erfolgen. Und, wie bei Kokzidiose, einmalig durchgeführt einen lebenslangen Schutz darstellen.

Spezifische Impfung ist also der Weg und von jedem Züchter für seinen Bestand zu entscheiden.

In den meisten Fällen kann eine spezifische Impfung als Investition in die Zukunft wirken. Lassen wir es nicht erst zum Verlust unserer aufwändig gepflegten und wertvollen Rassetiere kommen!

 

Autor: „Stefan Mohr

Impfen des Rassegeflügels – mehr als eine Pflichtübung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.